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Krankheitsbild von Übergewicht und Adipositas

Ursachen

Die Gründe für die Ausbildung von Übergewicht und Adipositas sind vielschichtig. Ebenso wie eine familiäre Prädisposition spielen der Lebensstil, Erkrankungen und auch der soziale Status eine Rolle. Ebenso kann eine Schwangerschaft oder der Verzicht auf Nikotin die Ursache für eine Gewichtszunahme sein.

Genetische Veranlagung

Bekannt ist, dass Übergewicht und Adipositas durch eine genetische Veranlagung begünstigt werden. Es gibt durchaus Menschen, die mehr Kalorien verbrennen als andere, und somit mehr Kalorien zuführen können, ohne dass es sich gleich auf der Waage niederschlägt. Jedoch ist dies nicht der alleinige Faktor, der eine Gewichtszunahme fördert.

Ernährung – ein zu viel bringt die Waage ins Ungleichgewicht

Eine Zunahme des Körpergewichtes ist immer eine Frage der Bilanz, d.h. übersteigt die tägliche Kalorienaufnahme langfristig den Energieverbrauch des Körpers, ist Übergewicht die Folge. Liegt die Energieaufnahme über dem Energieverbrauch, ist die Energiebilanz positiv. Anhand von Studien konnte gezeigt werden, dass Übergewichtige häufiger und schneller essen als normalgewichtige Personen. Das Sättigungsgefühl stellt sich häufig erst sehr spät ein. Auch das Essen „zwischendurch“, das sogenannte Snacking, sowie der Verzehr von Fast Food-Gerichten, gesüßten Getränken sowie Alkohol führen sehr schnell zu einer erhöhten Energiezufuhr und langfristig zu Übergewicht und Adipositas.

Wenig Bewegung

Jede Bewegung, ob im Alltag oder beim Sport, bedeutet für den Körper, dass er Energie freisetzen muss. Darüber hinaus wird durch die körperliche Aktivität Muskelmasse aufgebaut, die wiederum für eine Steigerung des Grundumsatzes sorgt, d.h. der Körper verbrennt auch in Ruhephasen mehr Energie. Körperliche Aktivität erleichtert es somit, eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Psychologische Faktoren

Häufig sind es auch Stress- oder Angstsituationen, Kummer, Ärger, Frust oder auch einfach Langeweile, die zu Übergewicht führen. Psychologische Aspekte können somit ebenfalls zu Übergewicht führen.

Schlafmangel

Studien weisen auf den Einfluss von Schlafmangel auf das Ernährungsverhalten und die Entstehung von Übergewicht hin. Es zeigt sich, dass müde Menschen eher zu fett- und zuckerreichen Lebensmittel greifen als solche, die ausgeschlafen sind.

Sozialer Status

Je niedriger der soziale Status ist, umso häufiger kommt es zum Auftreten von Übergewicht und Adipositas. Grund dafür ist unter anderem ein höherer Verzehr von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte bei Personen mit niedrigem Einkommen und geringem Bildungsgrad.

Essstörungen und endokrine Erkrankungen

Binge-Eating-Disorder, eine durch Essattacken gekennzeichnete Essstörung, oder Night-Eating-Disorder mit nächtlichem Heißhunger begünstigen Übergewicht und Adipositas. Dies gilt auch für bestimmte endokrine Erkrankungen, beispielsweise eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose).

Medikamente

Verschiedene Medikamente oder auch Hormonpräparate, beispielsweise die Anti-Baby-Pille oder Cortisonpräparate, ebenso wie Antidepressiva oder Betablocker, können den Appetit steigern und die Entstehung von Übergewicht fördern.

Folgeerkrankungen

Übergewicht und Adipositas begünstigt eine Vielzahl an Folge- und Begleiterkrankungen. Hierzu zählt eine Reihe von Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2, eine chronische Erhöhung der Blutfette und des Blutcholesterins (Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie) ebenso wie erhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie, Gicht). Die Ausbildung von Gallensteinen oder einer Fettleber ist begünstigt. Weiterhin fördert Adipositas die Entstehung von Bluthochdruck (Hypertonie) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch verschiedene Tumorerkrankungen stehen in Verbindung mit vorliegendem Übergewicht und Adipositas. Und nicht zuletzt ist auch das Skelettsystem bei Übergewicht stark belastet. Orthopädische Erkrankungen, wie Arthrose, Schädigungen an der Wirbelsäule oder Gelenken können die Folge sein.  
In Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas steht das Metabolische Syndrom. Es umfasst das Auftreten verschiedener Stoffwechselstörungen in Verbindung mit Übergewicht und Adipositas und stellt einen eigenständigen Risikofaktor für die Entstehung von Arteriosklerose dar.

Unter dem Begriff Metabolisches Syndrom werden verschiedene Stoffwechselstörungen zusammengefasst, die das Risiko für eine metabolische oder kardiovaskuläre Erkrankung erhöhen.
Dabei wird das Metabolische Syndrom weltweit unterschiedlich definiert. Nach den aktuellen S3-Leitlinien zur Prävention und Therapie der Adipositas gelten die Definitionen der American Heart Association/National Heart, Lung, and Blood Institute (AHA/NHLBI) und der International Diabetes Federation (IDF). Ein Metabolisches Syndrom liegt vor, wenn 3 und mehr der folgenden Faktoren zutreffen:

 

AHA/NHLBI
Taillenumfang ≥ 102 (Männer); ≥ 88 (Frauen)
erhöhte Triglyzeride im Blut (nüchtern)≥ 150 mg/dl oder Lipidsenker
niedriges HDL-Cholesterin (nüchtern)≥ 150 mg/dl oder Lipidsenker
Bluthochdruck< 40 mg/dl (Männer); < 50 mg/dl (Frauen) oder Medikament
erhöhter Blutzucker (nüchtern)≥ 100 mg/dl oder Antidiabetika
IDF
Taillenumfang ≥ 94 (Männer); ≥ 80 (Frauen)
erhöhte Triglyzeride im Blut (nüchtern)≥ 150 mg/dl (1,7 mmol/l)
niedriges HDL-Cholesterin (nüchtern)< 40 mg/dl (1, 03 mmol/l; Männer);
< 50 mg/dl (1, 29 mmol/l; Frauen)
Bluthochdruck≥ 85/130 mmHg
erhöhter Blutzucker (nüchtern)≥ 100 mg/dl (5,6 mmol/l)