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Ernährungstherapie bei Reizdarmsyndrom

Bislang existieren nur wenige aussagekräftige Daten zum Einfluss der Ernährung sowohl auf die Entstehung des Reizdarmsyndroms als auch auf die Frage, inwieweit eine Ernährungstherapie erfolgversprechend ist. Einheitliche Richtlinien zur Prävention und Therapie gibt es daher derzeit nicht. Jedoch werden im Rahmen der Behandlung der Erkrankung individuelle Ernährungsempfehlungen in Abhängigkeit von der Symptomatik als sinnvoll erachtet.
Die Ernährungstherapie wird nach der Leitlinie 2011, die zur Zeit überarbeitet wird, folgendermaßen zusammengefasst:

  • Zur Prävention des Reizdarmsyndroms gibt es keine ernährungsbezogenen Empfehlungen.
  • Eine einheitliche Ernährungstherapie für alle Patienten mit Reizdarmsyndrom kann derzeit nicht formuliert werden. Es gibt zahlreiche individuelle Ernährungsempfehlungen, die sich an den Symptomen orientieren.
  • Hinweise auf eine Lebensmittel-Unverträglichkeit müssen abgeklärt und entsprechend therapiert werden.
  • Bei Reizdarmsyndrom und einer gleichzeitig gesicherten Kohlenhydratmalabsorption (z.B. Fructose, Lactose) ist es empfehlenswert, den Verzehr der jeweiligen Zuckerart einzuschränken. 
  • Bei Reizdarmsyndrom und einer gleichzeitig gesicherten Lebensmittel-Unverträglichkeit sollte eine Eliminationsdiät durchgeführt werden. Hier sind Verlaufskontrollen wichtig, um eine Mangelernährung zu vermeiden.
  • Bestimmte Probiotika-Stämme können, in Abhängigkeit von der Symptomatik, eingesetzt werden.
  • Ballaststoffe können eingesetzt werden, insbesondere, wenn Verstopfung (Obstipation) auftritt. Hier sind vor allem lösliche Ballaststoffe, wie Psyllium, Plantago und Ispaghula, empfehlenswert.
  • Auch beim Reizdarmsyndrom vom Diarrhö-Typ oder vom Schmerztyp kann eine ballaststoffreiche Ernährung empfohlen werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel werden nicht empfohlen.

Weiterhin kann im Einzelfall eine glutenfreie Ernährung bei Erwachsenen die Symptomatik lindern, auch wenn eine Zöliakie ausgeschlossen werden konnte.

 

Tipps für die Praxis

Die Ernährung von Patienten mit Reizdarmsyndrom ist individuell abzustimmen, um die Symptomatik und den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Dabei gilt:

  • Grundlage für die Kostzusammenstellung: Hier gelten die Empfehlungen der DGE für eine abwechslungsreiche, vollwertige und dem jeweiligen Energiebedarf angepassten Kost bzw. eine leichte Vollkost, die die jeweiligen Unverträglichkeiten berücksichtigt.
  • Führen eines Symptom-Tagebuchs: Die Symptome werden in Verbindung mit verzehrten Lebensmitteln, Medikamenten, Tagesereignissen und Stressmomenten notiert.
  • Austesten von Lebensmittel-Unverträglichkeiten: Auf Lebensmittel, die nicht oder schlecht vertragen werden, soll verzichtet werden (gezielte Eliminationsdiät). Häufige Auslöser von Symptomen sind Weizen, Milchprodukte, Kaffee und Zitrusfrüchte.
  • Verlaufskontrollen bei Eliminationsdiät: Werden bestimmte Lebensmittel nicht vertragen und vom Speiseplan gestrichen, sind Verlaufskontrollen zur Vermeidung von Mangelerscheinungen empfehlenswert.
  • Bei Kohlenhydratmalabsorption (z.B. Lactose, Fructose, Sorbitol) eine an dieser Kohlenhydrat-Art  zuckerarme Kost.
  • Probiotika: Ausgewählte Probiotika-Stämme sind je nach Symptomatik hilfreich.
  • Ballaststoffreiche Kost (mindestens 30 Gramm pro Tag): Lösliche Ballaststoffe, wie Psyllium, Plantago oder Ispaghula, sind zu bevorzugen, weil sie im Vergleich zu den unlöslichen Ballaststoffen, wie Weizenkleie und Leinsamen, weniger Gase bilden.

 

FODMAP-Diät

Reizdarmsyndrom-Betroffene können von einer Low-FODMAP-Diät profitieren.
FODMAP (engl.) steht für „Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols“, also für fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccacharide sowie Polyole (Zuckeralkohole). Diese können beim Reizdarmsyndrom gastrointestinale Symptome, wie Durchfall und Blähungen, auszulösen. Das Weglassen von Lebensmittel mit Fruktose, Laktose, Galaktose sowie Xylit, Sobit oder auch Maltit bedeutet jedoch eine starke Einschränkung in der Lebensmittelauswahl. Um einem Nährstoffmangel vorzubeugen, sollte diese Diät nur zeitlich befristet durchgeführt werden. Die Betreuung durch eine Ernährungsfachkraft ist anzuraten.