Mittwoch, 17.12. 2025
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Public health index – Deutschland ist Schlusslicht in Europa

Der Public Health Index (PHI) eröffnet – leider wenig überraschend: Deutschland lässt viel Präventionspotenzial ungenutzt. Und das wirkt sich langfristig auch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes aus. Deutschland gibt mehr Geld für die Gesundheitsversorgung aus als jedes andere Land in der EU. Gleichzeitig bleibt es bei der Lebenserwartung seiner Bevölkerung aber unter dem europäischen Durchschnitt.

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In Deutschland lagen die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit in 2022 mit 5.317 Euro um 50 Prozent über dem gewichteten EU-Durchschnitt von 3.533 Euro. „Mit mehr politischem Willen und einer echten gesundheitsfördernden Politik, die nicht allein auf ein Ressort beschränkt ist, kann die dringend erforderliche Präventionswende noch erreicht werden – viel Zeit bleibt aber nicht mehr“, erläuterte Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) im Vorwort zum Bericht des PHI.


Erfolgsversprechende Gesundheitsmaßnahmen

Zur Förderung gesunder Ernährung ist ein Zusammenspiel an Maßnahmen vorrangig, die gesundes Essen durch unterstützende Umgebungen leicht zugänglich, erschwinglich und attraktiv machen. Entsprechend wurden für den neu entwickelten Ernährungspolitik-Index sechs Maßnahmen untersucht, die an den Ernährungsumgebungen ansetzen. Die Einführung von Qualitätsstandards für das Schulessen ist die am häufigsten umgesetzte unter den untersuchten ernährungspolitischen Maßnahmen: 9 der 18 betrachteten europäischen Länder haben entsprechende Regelungen eingeführt. Die von der WHO empfohlenen erfolgreichen Maßnahmen sind für den Ernährungsbereich folgende:

  • Einführung von Richtlinien für eine gesündere Zusammensetzung von Lebensmitteln und Getränken (zum Beispiel Verzicht auf Transfettsäuren und/oder Reduzierung von gesättigten Fettsäuren, Zucker und/oder Salz)
  • Verbindliche Kennzeichnung der Nährwerte auf der Vorderseite der Verpackung als Teil umfassender Maßnahmen zur Nährwertkennzeichnung umsetzen
  • Vorgabe von Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen (zum Beispiel zur Reduzierung der Aufnahme von Zucker, Salz und ungesunden Fetten, Förderung des Verzehrs von Vollkornprodukten, Obst und Gemüse) 
  • Kommunikation und Medienkampagnen für eine gesunde Ernährung durchführen
  • Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor den schädlichen Auswirkungen der Lebensmittelwerbung auf die Ernährung initiieren
  • Schutz, Förderung und Unterstützung optimaler Stillpraktiken

 

Persönliche und politische Gelingfaktoren

Für eine erfolgreiche Ernährungspolitik scheinen verschiedene Faktoren eine Rolle zu spielen. Wichtig ist eine positive Grundeinstellung zur Ernährung in der Bevölkerung. Eine gesunde Ernährung sollte zuallererst Genuss und Lebensqualität bedeuten, nicht Verzicht und Verlust. Bei einer Verbesserung der Schulverpflegung zum Beispiel ist es daher wichtig, dass das Essen nicht nur gesünder wird, sondern auch gut schmeckt und attraktiv präsentiert wird. Allgemein gilt: Viel wichtiger als das Aufstellen von Ernährungsregeln ist es, Menschen praktisch in die Lage zu versetzen, sich im Alltag so gesund zu ernähren, wie sie es selbst wollen – und das zu bezahlbaren Preisen und mit vertretbarem Aufwand. 
Offenbar trägt zum Gelingen bei, dass Prävention und Gesundheitsförderung als parteiübergreifende Aufgaben verstanden werden.
In der Ernährungsstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2024 ist die verbindliche Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards für Kitas und Schulen bis 2030 als eine Maßnahme festgehalten. 

 

Aktuelles Projekt der DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) treibt die Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards z. B. durch die regelmäßige Aktualisierung und Überarbeitung dieser voran. So sollen die Aktivitäten und Maßnahmen des aktuellen IN FORM-Projekts „Update DGE-Qualitätsstandards: Wissenschaft und Praxistauglichkeit in Einklang gebracht" Verpflegungsverantwortliche bei der Umsetzung bestmöglich unterstützen, so dass noch mehr Menschen in Deutschland von einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Verpflegung profitieren. Aber auch die Unterstützung von politischer Seite (z. B. zur Schaffung entsprechender rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen) wird als extrem wichtig erachtet.

Quelle: https://www.aok.de/pp/public-health/index/